Ins gemachte Nest mit Franchise: Aber was erwartet mich genau? Gedanken eines Franchise-Interessenten

Kürzlich erst machte sich ein Freund von mir Gedanken über seine berufliche Zukunft. Seine Führungsfunktion bei einem großen Unternehmen war er leid geworden. Immer diese politischen Spielchen, die langen Entscheidungswege und das Gefühl, selbst nur wenig bewegen zu können, machten ihn wahnsinnig. Die Vorstellung endlich wieder frei und selbstbestimmt zu arbeiten, ließ ihn nicht mehr los. Da kam ihm meine Idee mit einer Franchise-Selbständigkeit gerade recht. Vor allem gefiel ihm daran, direkt mit einer bekannten Marke neu starten zu können und das mit einem – aus seiner Sicht – überschaubaren Investment. Ohne seine Begeisterung bremsen zu wollen, riet ich ihm, zunächst über einige Fragen nachzudenken und sich grundlegend zu informieren.

Passt Franchising zu mir?

Grundsätzlich ist gegen eine Franchise-Selbständigkeit aus einer angestellten Führungsposition heraus nichts einzuwenden. Viele Franchise-Systeme bevorzugen Kandidaten mit diesem Profil sogar und suchen gezielt nach ihnen. Allerdings sollte der Franchise-Interessent sich selbst zuerst zwei Fragen beantworten: Bin ich grundsätzlich der Typ für eine Selbständigkeit? Und wenn ja, ist dann die Selbständigkeit mit Franchising für mich das richtige? Die erste Frage zielt darauf ab, ob ich bereit bin, mich weit mehr als 8 Stunden am Tag mit meiner Arbeit zu beschäftigen und dabei gleichzeitig mit dem unternehmerischen Risiko leben zu können. Engagement, Motivation und Durchhaltevermögen, auch wenn es mal eng und anstrengend wird, sind nicht jedermanns Sache. Es lohnt sich daher, sich eingehend mit den Licht- und Schattenseiten einer Selbständigkeit auseinanderzusetzen. Fühle ich mich dafür bereit und lässt dies auch mein privates Umfeld zu, muss ich für eine Franchise-Selbständigkeit noch eine zweite Eigenschaft mitbringen: Die Lust sich trotz Selbständigkeit unter die Führung einer Franchise-Zentrale zu begeben und auch das Treffen strategischer Entscheidungen Anderen zu überlassen. Freilich ist die Mitarbeit an der Weiterentwicklung des Systems immer erwünscht, der Entscheidungsfreiheit sind jedoch Grenzen gesetzt. Nur wem es Freude bereitet, seine unternehmerische Kraft voll und ganz auf den operativen Betrieb zu legen, der ist beim Franchising richtig. Will ich neben der eigenen Personal-, Marketingarbeit sowie täglichen Arbeitsorganisation auch intensiv an der Zukunft der ganzen Gruppe arbeiten, so kann dies auch schon das Ausschlusskriterium für Franchising sein.

In einem nächsten Gespräch mit meinem Freund sprachen wir über mögliche, ihn interessierende Franchise-Systeme. Seiner Ansicht nach gäbe es da hauptsächlich McDonald’s und sonst nicht viel. Als ich protestiere und von über 1000 möglichen Franchise-Konzepten spreche, ist er erstmal überrascht. Aber wie erkennt man ein Franchise-System? Vielleicht ist er schon heimlicher Freund eines Franchise-Systems, mit dem er sich liebend gern selbstständig machen würde und wusste noch nichts davon?

Welche Franchise-Systeme gibt es überhaupt?

Um sich über die Franchise-Landschaft im Klaren zu werden, empfehle ich ihm folgende Infokanäle, die eine Vielzahl der Systeme auflisten und vielfältige Informationen für Interessenten bereithalten:

  1. Das Verzeichnis der FranchiseWirtschaft (franchise-wirtschaft.de): Ca. 1.000 Franchise-Systeme werden mit einem kurzem Steckbrief inklusive der Bedingungen zum Systemeinstieg mit Franchise-Gebühr und Vertragsdauer vorgestellt. Das Verzeichnis ist sehr gut geeignet, um einen Überblick über die Systemlandschaft zu bekommen und sich über das Angebot in den verschiedenen Branchen (Gastronomie, Dienstleistung, Fitness usw.) zu informieren.
  2. Die Webseite des Deutschen Franchise-Verbandes (franchiseverband.com): Hier werden nützliche Informationen zum Franchising in Deutschland gegeben, über Veranstaltungen und Ansprechpartner informiert sowie die Mitgliedssysteme (ca. 250) vorgestellt.
  3. Das FranchisePortal (franchiseportal.de): Auf diesem Portal stellen sich die Franchise-Systeme auf einem virtuellen Messestand selbst vor. Charmant sind hier für den Interessenten besonders die kleinen System-Videos und die Möglichkeit, direkt beim Franchise-System Informationen zu einer Partnerschaft anfordern zu können.

Die Frage nach der Auswahl des ‘richtigen’ Systems ist nicht leicht zu beantworten. Grundsätzlich ist es wie bei vielen Dingen im Leben: Wofür ich mich selbst begeistere, dafür kann ich auch andere gewinnen. Das Herz in seinem Auswahlprozess, zumindest teilweise, mit entscheiden zu lassen, kann demnach nicht schaden. Natürlich muss neben der Leidenschaft für die Sache auch die einzubringende Investitionssumme zu mir passen. Viele Systeme verlangen eine nicht unerhebliche Einstiegsgebühr und es fallen zusätzlich Anfangsinvestitionen beispielsweise in eine Laden- und Warenausstattung an. Auch wenn viele Banken lieber dazu bereit sind, potentielle Franchise-Nehmer zu finanzieren als Einzelunternehmer, so ist das einzugehende finanzielle Risiko nicht zu unterschätzen. Um den Franchise-Interessenten in dieser Frage mehr Sicherheit zu geben, präsentieren gute Franchise-Systeme im Kennenlernprozess bereits eine Beispielrechnung, die Aufschluss über die typische Amortisationsdauer der eingebrachten Investitionen gibt. Diese Rechnung ist auch wichtig, um einen realistischen Eindruck zu den zu erwartenden Verdienstmöglichkeiten zu bekommen. Nichts ist schlimmer, als wenn die Erwartungen an das Ergebnis einer Franchise-Partnerschaft nicht erfüllt werden. Daher gebe ich meinem Freund an dieser Stelle mit, dass er finanzielle Szenarien frühzeitig erfragen soll, so sie ihm nicht bereits im Kennenlernprozess in Aussicht gestellt werden.

Erfahren Sie im nächsten Heft, wie die Reise in die Franchise-Landschaft für meinen Freund weitergeht.

Autorin: Dr. Gerlinde Brinkel

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